Aktuelle Nr.

Aktuelle Ausgabe

Juni Nr. 2 2018

Inhalt

Schwerpunkt

  • «Die Grenze hat mich immer beschäftigt» - Markus Moehring im Gespräch
  • Ein Kontinent im Wandel - Zeitenwende 1918/19
  • Die Spanische Grippe in den beiden Basel - Konzertbesuch versus Tanzverbot
  • Grippe heute: «Die Gefahr von neuen Krankheitserregern nie unterschätzen»
  • Theobald Baerwart entdeckt für sich den Dialekt
  • Der Landesstreik begann in der Burgvogtei
  • D Emilie Louise Frey - E Byspiil fir e nei'i Zyt

Feuilleton

  • Kultur-Tipps
     

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Nur etwas mehr als drei Generationen haben die Jahre zwischen 1918 und 2018 erlebt – und doch hat sich das Leben im Dreiland in diesen 100 Jahren tiefgreifend gewandelt. Die grosse Zäsur kam mit dem Ersten Weltkrieg, der die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Baden, im Elsass und auch in der Region Basel grundlegend veränderte. Während unsere Urgrosseltern die Grenze bei Stetten oder Hegenheim bis 1914 noch ohne Kontrolle überqueren konnten und die Wirtschaft dank dem flexiblen, regionalen Arbeitsmarkt prosperierte, fielen mit dem Beginn der «Grande Guerre» die Schlagbäume an den Grenzen. Damit begann «eine über 30 Jahre dauernde Epoche, die von Kriegen, extremem Protektionismus, scharfen staatlichen Grenzziehungen und gegenseitigen Feindbildern geprägt war».*

In 30 Ausstellungen beleuchtet das Netzwerk Museen die Zeitenwende von 1918/19 in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Das Redaktionsteam des Akzent Magazins hat dieses grenzüberschreitende Projekt zum Anlass genommen, sich ebenfalls vertieft mit dieser Epoche auseinanderzusetzen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Dreilands erlebten damals eine schwierige Zeit. Der Krieg und seine Folgen, Arbeitslosigkeit, eine galoppierende Teuerung, Armut und Hunger, Aufstände und Streiks prägten den Alltag. Dazu kam die Katastrophe der Spanischen Grippe, die in der jungen Bevölkerung viele Opfer forderte. Und wer im Alter das Pech hatte, ohne Angehörige und Einkommen dazustehen, wurde mit vielen Schicksalsgenossen im Armenhaus versorgt, da es weder die AHV noch eine Rente gab.

Diese Zeiten der Not und des Umbruchs führten übrigens auch zur Gründung von Pro Senectute beider Basel. Am 26. Juni 1918 wurde das Basler Kantonalkomitee des privaten Hilfswerks gegründet, am 15. Oktober 1919 folgten die Baselbieter. Die beiden Schwesterorganisationen – sie fusionierten erst im Jahr 2008 – starteten ihre erfolgreiche Arbeit mit Geldsammlungen, die unter dem Motto «Vergesst unsere Greise nicht» standen. Seither sind zwar 100 Jahre vergangen, doch dieser solidarische Ansatz prägt auch heute noch das Handeln der gemeinnützigen Stiftung.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.
Christine Valentin
 

 

* Robert Neisen: «Vom Glück der Grenze. Grenzlage und Industrialisierung im Dreiland», in Regio Basiliensis, 58/1, 2017, S. 3–16